W e l z


Artikel aus dem Amtsblatt der Stadt Linnich, Ausgabe 7,
vom 12. April 2002
 

( aus dem Zeitungsarchiv der Stadt Linnich ) 

Die Heimatwochenschrift "Rur-Blumen" vom 13. Juli 1935 schrieb damals:


Es liegt ein Dörflein im Tale

A. Wilms schwärmt von einem der schönsten Fleckchen im Jülicher Land.

 

Etwa zwei Kilometer von Linnich, im Merzbachtal, liegt ein Dörflein, das seinen Namen vom lateinischen Wort "vallis", das Tal, herleitet. Ueber Weltze, Welce und Wels, wie es in alten Urkunden heißt, kam es zur heutigen Ortsbezeichnung Welz. Die Gründer des Ortes konnten ihrer Niederlassung kaum einen treffenderen Namen geben als die Bezeichnung der Landschaft, in der sie die Siedlung erbauten.

 

Abseits von der Hauptstraße und fern von der Unruhe des modernen Verkehrs liegt der Ort in einer landschaftlich reizvollen Umgebung. Hält man von dem Höhenzug aus, der als letzter Ausläufer der Eifel Rur und Merzbach scheidet und der östlich des Dorfes von Norden nach Süden dahinzieht, Ausschau ins Tal, so entdecket man zwischen Pappeln, Obstbäumen und Strauchwerk versteckt nur die Spitze des Welzer Kirchleins und die Dachstücke und Giebelteile einiger Häuser. Sonst liegt der Ort eingehüllt und versteckt im Grünen. Auf der Ostseite breiten sich saftige Wiesen, vom Merzbach durchflossen, bis zum Hang des Höhenzuges hin, während auf den anderen Seiten weite fruchbare Felder den Ort umgeben. Aus der versteckten Lage des Dorfes wird es zu erklären sein, dass selbst Bewohner des Jülicher Landes von Welz und seinen landschaftlichen Reizen so wenig wissen.

 

Von Linnich aus ist Welz auf einem schönen, abwechslungsreichen Spaziergang durch die Wiesen der Merzbachniederung sehr bald zu erreichen. Zur Rechten kann hier das Auge über die grünen Weiden hinaus auf weite wogende Aehrenfelder schauen, während sich zur Linken ein Hang hinzieht, der immer höher emporwächst, je mehr man sich dem Ort nähert. Selten schöne, anmutige und stellenweise auch wildromantische Partien öffnen sich dem Blick. Ginster, Weißdorn und anderes Strauchwerk bestehen den Abhang, Tannenpflanzung und sonstige Nutzholzgruppen sorgen für reizvolle Abwechslungen. Weidevieh grast hier und da auf den steil emporsteigenden Matten und die Bilder, die der Wanderer schaut, lassen vestehen, wie man zu der Bezeichnung "Welzer Schweiz" gekommen ist. Die Illusion braucht wirklich nicht viel hinzuzutun, um eine idyllische Schweizerlandschaft entstehen zu lassen. So findet der Naurfreund hier eine Landschaft von unverfälschter Schönheit und malerischer Anmut, sodass Welz, das Dörflein im Tale, unbestreitbar als eines der schönsten Fleckchen im Jülicher Land zu bezeichnen ist.

 

Aber auch der Heimat- und Geschichtsfreund kommt hier auf seine Kosten. In früheren Jahrhunderten gehörte die Gemeinde Welz wie das nachbarliche Rurdorf zu den spanischen Niederlanden und machte einen Teil des Amtes Herzogenrath aus, welches zur Provinz Limburg gehörte. Um diese Zeit besaß Welz mit dem nahen Rurdorf ein eigenes Gericht, "Scheffengericht auch bank und Leeroder Herrlichkeith Welz und Rurdorf" genannt. In seinem Amtssiegel führte es das Bild des hl. Lambertus, des Kirchen- und Pfarrpatrons von Welz; zuerst wird es erwähnt im Jahre 1563. Ein bestimmtes Haus im Ort heißt heute noch "Tollhaus" (Zollhaus) und ein Ackergebiet führt den Namen "Am Tollpol" (Zollpfad), wo selbst auf bestimmte eingehende Artikel der gesetzliche Zoll erhoben wurde. Die französische Zeit machte Welz zugehörig zum Kanton Herzogenrath, Arrondissement (Bezirk) Mastricht, Departement der Niedermaas. Durch den Pariser Frieden von 1814 wurde die Gemeinde Welz wieder von Frankreich abgelöst und wie die umliegenden Dörfer des alten Herzogtums Jülich der Krone Preußens überwiesen. Nach älteren, noch vorhandenen Registern gab es in Welz mehrere größere Gehöfte und Güter, so einen "Junker Palandtshof", gehörig einem Junker Doren von Palandt, dann einen "teutscher Herrenhof" mit dem dazugehörigen "Deutschordensherrenland", auch "Commandeursland" genannt, ferner einen "Lannmershof". Unter diesen Gütern verdient besonders genannt zu werden das am östlichen Dorfeingang am Merzbach romantisch gelegene größere Hofgut. Es ist die Heimatstätte des ehemaligen kurpfälzischen, in den Adelsstand erhobenen Schultheißen und Hofrates in Düsseldorf von Franken-Welz.


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